Boxen: Deutsche Hochschulmeisterschaften 2010 (Bericht)
WG München erfolgreich bei DHM Boxen in Freiburg
(Text: Friederike Knüpling und Christian Gadenne)
112 Boxerinnen und Boxer verschiedenster deutscher Hochschulen traten zwischen dem 13. und dem 16. Mai in Freiburg gegeneinander an, um in 13 Gewichts- und zwei Leistungsklassen die jeweils besten Kämpferinnen und Kämpfer zu ermitteln. Die Wettkampfgemeinschaft (WG) München reiste mit fünf Faustkämpfern zu den Deutschen Hochschulmeisterschaften 2010 ins Breisgau. Von zehn bestrittenen Kämpfen konnten die Münchner sieben gewinnen und mit je einem Meistertitel in den Leistungsklassen A und B, einer Vizemeisterschaft im Halbschwergewicht B und einem 3. Platz im Mittelgewicht B die Reise zurück nach München antreten.
Den Auftakt für die WG München machte am Freitagmorgen Ringdebutant Kiril Kirov im Mittelgewicht der Männer bis 75 Kilogramm. In der Leistungsklasse B (bis 7 Kämpfe oder 4 Siege), die mit 15 Kämpfern stark besetzt war, bekam er es mit Louis Victor von der Uni Münster zu tun. In seinem allerersten Kampf zeigte der Rechtsausleger aus München eine konzentrierte Leistung und punktete seinen Gegner gekonnt aus. Ein Turnierstart nach Maß für die WG München.
Ebenfalls im Mittelgewicht ging der angehende Biochemiker Martin Rossa an den Start. Er hatte das Achtelfinale mit Armin Dreesen von der Uni Köln zu bestreiten. Schon in der ersten Runde zeigte der Münchner Sportler, dass er seinen Gegner beherrschte. Im zweiten Durchgang brachte er den Kölner dann durch eine schöne Dreierkombination mit Abschluss zum Körper zu Boden, wovon dieser sich nicht rechtzeitig erholte. Der Ringrichter beendete den Kampf vorzeitig in Runde zwei aufgrund der Überlegenheit des Münchner Starters.
Im Halbschwergewicht bis 81 Kilogramm wollten in der Leistungsklasse B satte 17 Kämpfer verschiedenster deutscher Hochschulen den Turniersieg. Um den Boxern bis zu 5 Kämpfe an lediglich zwei Wettkampftagen zu ersparen, einigten sich die Obleute auf eine Austragung in zwei Gruppen. Am Freitagnachmittag gab Dominik Schuster in der Gruppe 2 sein Wettkampfdebut. Gegen Anton Hamm von der Uni Aachen, der bereits seinen dritten Kampf bestritt, bot der Amerikanistik-Absolvent eine überzeugende Vorstellung, sodass die Punktrichter ihn auf allen Wertungszetteln vorne hatten. Der dritte Sieg für die WG München.
Nach einer kurzen Wettkampfpause bekam es BWL-Student Kiril Kirov mit Simon Ngawanzu von der WG Köln zu tun. Der Boxer vom Rhein bestritt bereits seinen 6. Kampf, und dementsprechend routiniert ging er auch zu Werke. Mit dem Gong zur ersten Runde stürmte er auf den Kämpfer aus München zu und attackierte ihn mit Schlagserien. Früh schon zeichnete sich ab, dass Kirov in seinem erst zweiten Kampf dem Ansturm des Kölners nicht gewachsen war. Der Münchner verlor, aber das Turnier war auch für den Sieger des Aufeinandertreffens beendet, denn er zog sich eine Verletzung zu, die ihn zum Ausscheiden zwang.
Unterdessen stand Martin Rossa schon in den Startlöchern für seinen zweiten Kampf in diesem Turnier. Ähnlich wie der Kölner es im Kampf zuvor gemacht hatte, deckte Rossa Thomas Fuchs aus Berlin schon in der ersten Runde mit einer Serie von Schlägen ein. Dieser verschanzte sich hinter seiner Deckung, und nachdem ihn der Ringrichter erstmals angezählt hatte, setzte der Münchner entschieden nach, so dass der Kampf noch in der ersten Runde mit einem technischen K.O. endete. Damit sicherte sich Martin Rossa den Einzug ins Halbfinale, das am Samstagmorgen stattfand. Hier stand ihm der ebenfalls wettkampferfahrene Jan Kasper von der gastgebenden Uni Freiburg gegenüber. Zwei unterschiedliche Kampfstile trafen aufeinander. Der Kämpfer der WG München versuchte den Kampf aus der Distanz zu führen, während Jan Kasper die Halb- und Nahdistanz bevorzugte. Zu oft ließ sich Martin Rossa zum direkten Schlagabtausch mit dem Freiburger hinreißen. Verdienter Sieger wurde in diesem Halbfinalkampf der spätere Hochschulmeister aus Freiburg, der trotz einiger Ermahnungen wegen unsauberem Boxen den Punktsieg zugesprochen kam. Der dritte Platz im Mittelgewicht war dem gebürtigen Berliner Martin Rossa sicher – ein weiterer Erfolg für die WG München.
Ebenfalls ein Halbfinale bestritt Halbschwergewichtler Dominik Schuster gegen Jason Miller aus Frankfurt am Main. Der Münchener zeigte wiederum eine konzentrierte Leistung und gewann auch den zweiten Kampf des Turniers über die Punkte. Am darauffolgenden Samstagabend stand ihm im Finale der Marburger Goarik Petrosjan-Ohanyan gegenüber. Dieser hatte sich mit zwei Erstrundensiegen den Weg in Finale geebnet und so auf seine Schlagstärke aufmerksam gemacht. Entsprechend klug musste sich der Münchner im Finale im Ring bewegen, um den Marburger aus der Distanz zu treffen und gleichzeitig seinen harten Händen zu entgehen. Und so ging Dominik Schuster in seiner siebten, achten und neunten Runde des Turniers an seine Grenzen und zeigte einen starken Kampf. Doch der Marburger wirke ausgeruhter und konnte über die gesamte Kampfdistanz die deutlicheren Treffer setzen. So sahen es auch die Punktrichter, und so konnte sich Dominik Schuster nach dem Schlussgong über die hochverdiente Vizemeisterschaft in seiner Gewichtsklasse freuen.
Einen Finalkampf im Leichtgewicht der Leistungsklasse B bestritt auch Katharina Werschetzki. Sie hatte bei der Auslosung ein Freilos ergattert und dadurch Gelegenheit, ihre Gegnerin schon im Halbfinale zu beobachten. Dort zeigte Cynthia Keil aus Darmstadt eine beherzte Leistung, marschierte drei Runden lang auf ihre Kontrahentin zu und biss sich im Nahkampf fest. Unnachlässig und kämpferisch agierte sie auch im Finale gegen die Münchner Linguistik-Magistrandin. Doch Katharina Werschetzki gelang es mit zunehmender Kampfdistanz besser, aus der langen Distanz heraus zu punkten. Eine Vorentscheidung fiel in der dritten Runde. Die Hessin wollte wiederum entschlossen angreifen, doch Katharina Werschetzki kam ihr mit einer harten rechten Geraden zuvor und schickte sie auf die Bretter. Davon erholte sich Cynthia Keil nicht mehr gänzlich, so dass der Ringrichter das Gefecht in der dritten Runde beendete. Damit sicherte sich die WG München ihren ersten Meistertitel.
Doch ein Finale stand noch aus. Friederike Knüpling aus München bekam es mit Corinna Schmechel von der Uni Potsdam zu tun. In der Leistungsklasse A stand den beiden Kämpferinnen im Bantamgewicht eine Distanz von 4 Runden à 2 Minuten bevor. Statistisch lagen die Vorteile bei der Potsdamerin. Sie war 2009, ebenfalls im Bantamgewicht, Deutsche Hochschulmeisterin der Leistungsklasse B und zur besten Technikerin des damaligen Turniers ausgezeichnet worden. An diesem Samstagabend bestritt sie bereits ihren 12. Kampf, für die Münchnerin war es das 4. Ringgefecht. Mit leichten Reichweitenvorteilen ging Friederike Knüpling in das Duell mit der technisch versierten Potsdamerin. Von Beginn an dominierte die Münchnerin, die sich schnell auf ihre Kontrahentin einstellte, das Kampfgeschehen. Mal zuvorkommend und mal abwartend und konternd ermöglichte sie ihrer Gegnerin zu keinem Zeitpunkt, ein Mittel gegen ihre Kampfführung zu finden. Frei nach dem Motto „Geben ist seliger denn nehmen“, das der Münchner Übungsleiter Rüdiger Wurzbacher seinen Schützlingen mit auf den Weg gab, traf Friederike Knüpling häufiger und wirkungsvoller. Mit einem hochverdienten Punktsieg holte sie den ersten Titel der Leistungsklasse A für die WG München. Ein toller Erfolg!
Das gesamte Abschneiden der WG München ist lobenswert. Mit Trainingsfleiß wie Herz vorbereitet und begleitet von den Münchner Übungsleitern Rüdiger Wurzbacher und Christian Gadenne zeigten alle Kämpferinnen und Kämpfer gutes, technisch sauberes Boxen, das den Ringrichtern keine einzige korrigierende Ermahnung abverlangte. Wichtig war auch, dass die Einzelkämpfer im Rahmen des Turniers zu einer starken Gruppe zusammenwuchsen, die sich rund um die Uhr gegenseitig unterstützte. Ein Dank gilt auch einer DHM-Teilnehmerin der letzten Jahre, Lara Ostrowski, die eigens den Weg von Dänemark nach Freiburg auf sich nahm, um die Münchner Kämpfer zu unterstützen. Zuzka „Susi“ Štalcerová stand als sechste Teilnehmerin auf dem Meldebogen der WG München, hatte allerdings anfangs keine Kontrahentin in ihrer Gewichtsklasse und erkrankte zudem wenige Tage vor dem Turnier. Für sie gibt es im nächsten Jahr die Chance, für die WG München anzutreten. Ein großes Dankeschön aus München geht an das Team um Stipe Slisko von der Uni Freiburg für die Ausrichtung und gute Organisation der DHM 2010.
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